Im Zeichen der Rose
»Malerpfarrer« Sieger Köder wird 80

Farben sind seine Sprache: Pfarrer Sieger Köder in seinem Atelier. Foto: Siedler/Visis

Als »kleinen Propheten, der halt nicht sprechen, sondern malen kann«, sieht sich der Priester und Künstler Sieger Köder.
Foto: KNA

Vogelscheuchen malt er am liebsten – privat. Doch dazu kommt Sieger Köder, der am 3. Januar 80 Jahre alt wird, selten. Der Pfarrer und Maler aus Ellwangen auf der Schwäbischen Ostalb gibt geistlich-künstlerischen Aufträgen den Vorzug. Er predigt mit Bildern, wie er selbst sagt.

Propheten und biblische Szenen, Rosen als Zeichen der Ewigkeit und Clowns als Inbegriff des unbeirrt glaubenden Menschen kommen in Sieger Köders leuchtend farbigen Bildern, Kirchenfenstern, Altartafeln und Plastiken vor. Biblischen Gehalt hat für ihn selbst sein Favoritenmotiv: »Im Innern einer jeden Vogelscheuche steht ein Kreuz – sonst gäbe es sie nicht«, begründete Köder einmal seine Vorliebe für die stummen Ernteverteidiger.

Ein »schwäbischer Chagall«
Die Werke des weißhaarigen Meisters, der ob der Farbigkeit seiner Bilder auch als »schwäbischer Chagall« bezeichnet wird, finden sich in allen Gegenden Deutschlands, aber auch in Rom und in Paris. Knapp wie es knapper nicht geht, stellt sich Köder vor: »Ich bin Schwabe, ich bin Pfarrer, ich male Bilder.« Erst im Alter von 40 Jahren, in dem bekanntlich die Schwaben erst gescheit werden, begann der knorrige Ostälbler mit dem Studium der Theologie und ließ sich 1971 zum Priester weihen. Davor lehrte er Kunst und Englisch an einem Gymnasium. Spaß habe ihm das gemacht, »aber die Theologie hat mich halt auch interessiert«. 20 Jahre Pfarrer am selben Ort, in den Ostalb-Dörfern Rosenberg und Hohenberg, schaffte Köder dort – heute tut er es in der Stadt Ellwangen – unermüdlich an seinen Werken.

Farben sind seine Sprache: Pfarrer Sieger Köder in seinem Atelier. Foto: Siedler/Visis

Farben sind seine Sprache: Pfarrer Sieger Köder in seinem Atelier, das er unter dem Dach des Kinderdorfes Marienpflege in Ellwangen eingerichtet hat.
Foto: Siedler

Als sein bekanntestes Bild gilt das »Mahl mit den Sündern«, das im Jesuitenhaus San Pastore bei Rom hängt: Zwei offene Hände mit Wundmalen bieten einer bunt gemischten Runde Brot an; ein verkrüppelter schwarzer Mann sitzt am Tisch, eine Prostituierte, aber auch eine reiche Frau, ein Narr – die ganze Welt beim Mahl mit dem Heiland.
Dieses Bild mit dem Ewigkeits-, Schönheits- und Lebenssymbol der Rose in der Tischmitte gilt als Markenzeichen für Köders Malerei und für seine Theologie.

Als kleinen Propheten, »der halt nicht sprechen kann, sondern malen«, bezeichnet sich der Künstler. Selbst den Begriff»Künstler« lehnt der an der Stuttgarter Kunstakademie ausgebildete Jubilar für sich ab. »Malerpfarrer« bevorzugt er als Berufsbezeichnung.
Nie hat jemand»SK«, so zeichnet Köder seine Werke, große oder eitel-elitäre
Worte machen hören. Das 2. Vatikanische Konzil und die Gestalt Papst Johannes XXIII. gaben dem Spätberufenen vor 25 Jahren den letzten Anstoß zu Theologiestudium und Priestertum.

Farben sind seine Sprache: Pfarrer Sieger Köder in seinem Atelier. Foto: Siedler/Visis

Sieger Köder in seinem Atelier
Foto: Visis

Theologie und Malerei gehen bei ihm in eins. Wird Köder nach seiner »Farbenlehre« gefragt, winkt er ab: »Mit den Farben verbinde ich keinen bestimmten Tatbestand.« Rot könne die Liebe, aber auch der Schmerz sein.

Mehr kann »SK« über seine Hauptmotive sagen. Die Rose etwa, die selbst in gebrochenem Zustand noch schön ist und den Meister zu der Vorstellung verleitet, dass man ihre Blätter immer weiter und weiter pflücken könne. »Das ist für mich ein Symbol für die Ewigkeit.« Oder die Vogelscheuche. Seine Kirchengemeinde schenkte ihm 1985 eine. Köder hängte sie in seinem Kirschbaum auf und beobachtete, wie sie mit den Jahren vom Wind zerfleddert wurde und ihr Gerüst preisgab. Da sei ihm der Gedanke gekommen, dass Jesus so am Kreuz gehangen sein musste. »Dieses Bild kam mir immer wieder; für mich ist das Golgotha.«

Höher als der Turm des Ulmer Münsters
Die Werke Köders, dem der Papst 1985 den Titel Monsignore verlieh, sind gefragt. Von seiner Bibel, die er 1992 schuf und die inzwischen in elfter Auflage vorliegt, wurden mehr als 50 000 Stück verkauft, wie Gertrud Widmann vom Schwabenverlag in Ostfildern sagt. Sie verwaltet die Rechte an Köders Werken.
Mindestens 40 Kirchen gestaltete der Künstler seit 1953, 60 Bücher und Bände sind von ihm erschienen, viele hundert Gemälde entstanden. Alle bisher verkauften Exemplare der Köder-Bibel mit ihren 107 Bildern aufeinander gestapelt würden den 161 Meter hohen Turm des Ulmer Münsters übersteigen, wie die Verlagsleute errechnet haben. »SK« hoch hinaus – ein Bild, das so gar nicht zum Malerpfarrer von der Ostalb passen will.

Uwe Renz

Dieser Artikel erschien am 02.01.2005 in der Ausgabe Nr. 1/2005 des Katholischen Sonntagsblattes.


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